Mining: Was kostet es, eine Kryptowährung zu minen?

Übersicht:

  • Was kostet es eigentlich heutzutage eine Kryptowährung zu schürfen?
  • Pooling.com entwickelte kürzlich einen entsprechenden Kalkulator, der bei der Planung helfen kann
  • Wir fassen zusammen, was es zu beachten gibt und welche Tools unterstützen können

Nach all den turbulenten Schlagzeilen rund um den dramatischen Kursverfall des Bitcoin und vieler anderer Kryptowährungen blicken wir an dieser Stelle mal wieder auf die Grundlagen. Das anstehende Bitcoin Halving Event kann einen wesentlichen Einfluss auf den Preis der führenden Kryptowährung haben. Aber auch für viele Miner und die großen Mining-Pools wird sich durch das Halving einiges verändern. Aber was kostet es eigentlich, eine Kryptowährung wie den Bitcoin zu schürfen?

In diesem Artikel erklären wir, mit welchen Kosten der Bau eines effizienten Mining Rigs verbunden ist. Der Mining-Gigant Poolin.com hat transparent die Kosten für den Bau und die Unterhaltung eines Rigs untersucht und das Ergebnis in Form eines Kalkulators veröffentlicht. Darüber hinaus befassen wir uns mit den Kosten und den sonstigen Umständen, die auf Privatpersonen zukommen, die Kryptowährungen minen wollen. Zudem prüfen wir, ob sich das Mining nach der anstehenden Halbierung der Block-Provision überhaupt noch lohnt.

Poolin.com gibt eine Übersicht der Mining-Kosten

Der große Mining-Pool Poolin aus China hat untersucht, was für Kosten aktuell für das Schürfen von Kryptowährungen anfallen. Vorweg muss allerdings festgehalten werden, dass diese Kosten nicht allgemeingültig sind. Als großer Anbieter kann Poolin.com natürlich deutlich bessere Kondition im Bereich der Energiekosten aushandeln, daher orientierte das Unternehmen sich an den Durchschnittswerten in vielen Ländern. Poolin selbst siedelt seine Rechenzentren nur dort an, wo der Strompreis grundsätzlich sehr günstig ist. Dies ist für jemanden, der das Mining nur nebenbei betreiben will, eher keine Option. Auch der Einkauf der Hardware ist für Poolin erheblich günstiger als für Privatpersonen oder kleinere Unternehmen. Die Untersuchungen beziehen sich daher in allen Bereichen auf durchschnittliche Marktpreise und können individuell unterschiedlich sein.

Im Fokus jeder Berechnung steht laut Poolin die Ermittlung des „Break-Even“-Faktors. Dieser bestimmt die Anzahl der zu schürfenden Kryptowährung, bis sich eine Anlage lohnt. Umso früher dieser Punkt erreicht wird, desto rentabler ist ein Mining-Rig für den Betreiber. Bei guten Marktpreisen ist diese Schwelle selbstverständlich früher zu erreichen als in Krisenphasen. Poolin gibt an, dass eine große Herausforderung darin besteht den sogenannten Abschaltpreis zu ermitteln. Dieser Preis gibt an, ab wann sich ein Rig aufgrund zu geringer Marktpreise für die Kryptowährung nicht mehr rentabel ist. Die Betreiber müssen daher immer sorgfältig kalkulieren und bei fallenden Kursen die Mining Hardware kurzfristig vom Netz nehmen.

Mining Marktübersicht als Tortendiagramm
Poolin ist der weltweit größte Mining-Pool (Quelle)

Eine Aufgabe – viele Anbieter

Auch für die Hardware selbst gibt es nicht den einen Erfolgsweg, der immer pauschal angewendet werden kann. Poolin sieht Betreiber mit der Herausforderung konfrontiert, aus dem umfangreichen Produktportfolio an Mining-Rigs für den jeweiligen Anwendungsfall die richtige Hardware auszuwählen. Die Produkte der gängigen Anbieter, wie Antminer, Whatsminer oder Avalon, unterscheiden sich maßgeblich in der Leistungsstärke und im Energiebedarf. Für jedes Gerät entwickelte Poolin eine detaillierte Auswertung, die das Unternehmen nun veröffentlichte.

Auf Basis dieser Liste können Miner im Einzelfall prüfen, welches Rig für den geplanten Anwendungsfall am besten geeignet ist. Poolin beansprucht mit knapp 18 Prozent den größten Teil des Mining-Marktes für sich. Um diese Größe zu erreichen, mussten etliche Mining-Rigs installiert werden, wodurch das Unternehmen eine umfassende Expertise entwickelte, die nun der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird.

Folgende Tabelle zeigt beispielhaft die Analyse von Poolin für das Schürfen von BTC. Der Kalkulator umfasst die relevanten Kennzahlen und kann mit eigenen Werten gefüttert werden.

Poolin Mining Calculator
Der Kalkulator zeigt übersichtlich die geschätzten Kosten für die jeweilige Hardware und den möglichen Profit an.

Hier geht es direkt zum Kalkulator von Poolin.

Mining für Privatpersonen: Diese Kosten sind zu kalkulieren

Natürlich ist das Mining nicht nur großen Firmen und Organisationen vorbehalten. Auch als Privatperson kann man in den eigenen vier Wänden Kryptowährungen minen. Dennoch sollte man sich in dem Zusammenhang einiger Voraussetzungen bewusst sein, die es vorab zu klären gilt. Das betrifft nicht nur die Art und Weise des Minings, sondern auch die Abwicklung der steuerlichen Darstellung. Zudem muss individuell betrachtet werden, ob mit den gegebenen Mitteln das Schürfen einer Kryptowährung kosteneffizient betrieben werden kann. Das Mining ist mit einem hohen Energiebedarf verbunden, sodass schon ein sehr günstiger Vertrag abgeschlossen werden müsste, damit überhaupt die Grundlage für ein rentables Business besteht.

Während in der Anfangsphase des Krypto-Hypes jeder mit einem performanten Computer nebenbei Kryptowährungen schürfen konnte, ergibt dies heute nach der deutlichen Kurskorrektur vieler Kryptowährungen nur noch vereinzelnd Sinn. Insbesondere das Mining der führenden digitalen Währung Bitcoin sollte man nach der in der Vergangenheit erfolgten Halbierung der Block-Provision genau durchrechnen. Das Betreiben des eigenen Computers zum Mining ist heutzutage in den meisten Fällen daher kaum mehr effizient. Vielmehr sollten sich Interessenten mit der Anschaffung eines Standalone-Miners befassen. Diese Geräte sind speziell auf das Schürfen einer Kryptowährung ausgerichtet und deutlich effektiver als der eigene PC. Das liegt vor allem an den verbauten Chipsätzen, den sogenannten Application Specific Integrated Circuits (ASICs).

Ein ASIC ist optimal auf die Anforderungen des Schürfens einer Kryptowährung ausgerichtet und noch effizienter im Mining als die stärksten GPUs aus dem Bereich der PC-Hardware. Gleichzeitig benötigen sie für dieselbe Aufgabe im Vergleich erheblich weniger Energie. Vor der Anschaffung sollte jedoch unbedingt geprüft werden, welche Hardware derzeit unter den gegebenen Umständen am besten agieren könnte. Zuletzt gilt noch die Frage zu klären, ob man auf eigene Faust minen oder sich einem Mining Pool anschließen will. Im Falle letzteres bündelt man gemeinschaftlich die Hash Power, um als Verbund mehr Rechenleistung in das Netzwerk einzuschleusen. Dennoch profitiert man nicht alleine von der zugesprochenen Provision, sondern teilt sich diese mit allen Minern im Pool.

Was kostet ein Standalone-Miner in der Anschaffung und im Betrieb?

Antminer S19 Pro
Der Antminer S19 Pro – Mit 110 Th/s bei 3250 Watt eines der derzeitigen Spitzenmodelle

Nicht nur der Markt der Kryptowährungen ist äußerst schnelllebig. Auch die Hersteller von Mining-Hardware arbeiten stetig an der Verbesserung der Geräte und bringen regelmäßig neue Hardware auf den Markt. Diese Geräte sind in verschiedenen Preiskategorien erhältlich, die sich jeweils an der Leistungsstärke der Hardware orientieren. Entscheidend ist in jedem Fall der ROI (Return of Invest), also der Punkt, an dem das Gerät seine Anschaffungs- und Betriebskosten durch eingespielte Gewinne ausgleicht. Die Spitzengeräte erreichen diese Schwelle deutlich eher als die günstigeren Modelle. Das liegt neben der stärkeren Hardwarearchitektur auch an dem geringeren Energiebedarf.

Sehr gute Einsteigermodelle kosten etwa einen hohen dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Betrag und schaffen >50 Terrahash pro Sekunde (Th/s). Geräte der mittleren Preisklasse bis circa 2500 Euro schaffen teilweise bereits über 90 Th/s. Die effektivsten ASICs für den Privatgebrauch kosten etwa 3000 Euro aufwärts und liefern meist mehr als 110 Th/s. Natürlich gibt es aus preislicher Sicht nach unten auch weitere Modelle, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Wer das Mining einer Kryptowährung ausprobieren will, ohne direkt viel Geld für den Erwerb passender Hardware auszugeben, sollte sich mit den preiswerten Einstiegsmodellen der großen Hersteller beschäftigen.

Allerdings sollte man die verhältnismäßig günstigen Standalone-Miner für unter 500 Euro vor Betrieb genau durchkalkulieren. So gut wie jeder große Hersteller hat solch günstige Mining-Hardware im Produktportfolio. Sie liefern in der Regel nur 10 bis 15 Th/s und sind mit durchschnittlich 1350 Watt dennoch sehr energiehungrig. So oder so ist der zu zahlende Strompreis ein entscheidender Kostenfaktor. Wer nicht das Glück hat, einen besonders günstigen Strompreis zu beziehen, hat es bereits grundsätzlich deutlich schwerer profitabel Kryptowährungen zu schürfen. Einige Webseiten im Internet bieten Kalkulatoren an, mit denen man auf Basis des eigenen Strompreises die Effizienz eines Standalone-Miners berechnen kann.

Cloud Mining: Mining ohne eigene Hardware

Beim Cloud-Mining handelt es sich um eine Form des Minings, bei der keine eigene Hardware beschafft werden muss. Man bucht stattdessen bestimmte Kapazitäten in einem Rechenzentrum über das Internet. Die Vorteile liegen auf der Hand: es muss keine teure Hardware beschafft werden und durch die guten Energiekonditionen der Anbieter kann für einen günstigen Preis geschürft werden. In der Regel bieten die Cloud Mining-Anbieter verschiedene Angebote mit unterschiedlicher Leistungsbreite an. Mehr dazu und eine Preisübersicht ist in unserem ausführlichen Einführungsartikel beschrieben.

Mining und die Steuer

Sobald die passende Mining-Hardware gefunden wurde und das Mining auf eigene Faust oder in Form eines Hostings betrieben wird, gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten – die Steuer. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Standalone-Miner alleine Coins schürft oder Teil eines Mining Pools ist, in beiden Fällen handelt es sich um eine steuerpflichtige Tätigkeit. In die Tiefe der steuerlichen Betrachtung eines Mining-Vorgangs einzutauchen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, daher konzentrieren wir uns auf die wesentlichen Fakten. Mehr zu steuerlichen Themen gibt es hier.

Wichtig zu wissen ist die Art des zu versteuernden Vorgangs. Dieser ist in der deutschen Gesetzgebung eindeutig formuliert. Das Mining ist nach § 15 EstG als Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb zu sehen. Jemand handelt gewerblich, sobald er die folgenden Merkmale bei einer bestimmten Tätigkeit erfüllt, beziehungsweise nachgeht:

  • Er geht einer Gewinnerzielungsabsicht nach
  • Er geht einer nachhaltigen Betätigung nach
  • Er nimmt am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teil
  • Er handelt bei seiner wirtschaftlichen Tätigkeit selbstständig

Daher muss jede Person, die Kryptowährungen schürft, zwangsläufig ein Gewerbe anmelden. Die Zuständigkeit dafür liegt bei dem örtlichen Gewerbeamt und kostet je nach Vorgang und Unternehmensform eine gewisse Anmeldegebühr. Entscheidend für die steuerliche Betrachtung ist anschließend auch die Art und Weise des Minings. Aufgrund der Komplexität sind insbesondere unerfahrene Miner gut beraten, einen steuerlichen Rat durch einen Experten einzuholen. Bereits beim Mining in einem gemeinschaftlichen Mining Pool können Einzelheiten entscheiden, ob es sich um Einkünfte aus Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG) oder um Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG) handelt.

Bitcoin-Mining auch nach dem Halving noch effizient?

Nach dem kommenden Bitcoin Halving Event wird sich die Belohnung für die Miner erneut halbieren. Während es aktuell noch 12,5 BTC pro Block gibt, sind es zukünftig nur noch 6,25 BTC. Zwar gibt es faktisch weniger Provision für die Miner, allerdings verläuft der technische Fortschritt im Bereich der Mining-Rigs aktuell sehr schnell. In regelmäßigen Abständen verbessern die Hersteller von Mining-Rigs ihre Anlagen und machen sie immer effizienter. Dadurch sinkt der Energiebedarf, bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Dadurch kann es sowohl für professionelle Miner, aber auch für Privatpersonen nach wie vor rentabel sein, Kryptowährungen zu minen.

Sollten sich große Firmen aus dem Wettbewerb verabschieden, könnten sich wiederum Chancen für Gemeinschaften kleinerer Miner ergeben, die die sinkende Hashrate auffangen und ihren Teil im Netzwerk beitragen. Das Angebot an neuen Coins wird zwangsläufig nach dem Halving sinken. Sollte die Nachfrage gleichzeitig konstant bleiben oder sogar steigen, kann dies einen positiven Einfluss auf den Kurs der führenden Kryptowährung haben. Dies käme den Minern zugute, die ihre erhaltene Provision für einen guten Kurs verkaufen könnten. Die aktuell rund 1800 BTC, die die Miner täglich in den Markt spülen, reduzieren sich nach dem Halving um 50 Prozent. Durch die künstliche Verknappung ließe sich auch trotz der geringeren Provision sicherlich Geld verdienen.

Fazit: Viele Möglichkeiten, aber auch viele Fragen – Mining ist immer ein Stück weit Mathematik

Das Schürfen einer Kryptowährung, wie dem Bitcoin oder Ethereum, ist eine spannende Sache und kann durchaus ein lohnendes Business darstellen. Jedoch gilt es einige Punkte zu beachten, die vor der Inbetriebnahme eines eigenen Mining-Rigs geklärt sein sollten. Der Betrieb eines Standalone-Miners ist immer auch eine Selbstkostenfrage. Die Hardware besteht aus sogenannten ASICs, also speziell auf das Mining ausgerichteter Computerchips, die sehr leistungsstark, aber auch energiehungrig sind.

Daher ist das Mining auch immer reine Mathematik. Die Anschaffungs- und Energiekosten müssen der potenziellen Mining-Provision gegenübergestellt werden. Allerdings sind die aktuellen Marktpreise im Bereich der Kryptowährungen sehr volatil und somit ist eine stetige Kalkulation nötig, ob das Mining aktuell noch profitabel ist. Der große Mining Pool Poolin hat dieses Problem erkannt und stellt den Minern mit seinem Kalkulator ein passendes Werkzeug zur Berechnung der Rentabilität der gängigen Standalone-Miner zur Verfügung.

Poolin entwickelte einen kostenlosen und sehr übersichtlichen Rechner, der auf Basis gängiger Marktpreise und verschiedenen Ländern die Effizienz vieler aktueller Hardware-Modelle berechnet. Für Interessenten verkleinert sich somit vor der Anschaffung eines Mining-Rigs die Auswahl erheblich und ineffiziente Geräte können von vornherein ausgeschlossen werden. Aktive Miner können Poolins Untersuchungen zudem für eine Detailprüfung nutzen und die Variablen weiter einschränken, um auch die aktuelle Profitabilität ihrer Hardware zu analysieren.



Über den Autor

Jens interessierte sich bereits während seines Studiums im Bereich Wirtschaftsinformatik für die Themen Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Bis heute begleitet ihn die Materie in seinem Alltag und Berufsleben und er ist als Autor für Ratgeberartikel und Nachrichten aus dem Blockchain- und Digitalisierungsumfeld tätig.

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