BTC, BCH, BSV – Warum gibt es eigentlich unterschiedliche Bitcoin?


Überblick:

  • Was ist Bitcoin
  • Was ist eine Bitcoin Hard Fork
  • Welche unterschiedliche Bitcoin gibt es

Wer noch nicht allzu lange bei Bitcoin bzw. Crypto dabei ist oder zum ersten Mal Bitcoin kaufen möchte, wird sich sicherlich schon mal gefragt haben, warum es in den Top 100 Cryptocurrencies mehrere unterschiedliche Bitcoin gibt. An Stelle Eins natürlich Bitcoin (BTC), nicht weit dahinter Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin Satoshi Vision (BSV). Wenn man noch weiter scrollt, findet man Bitcoin Gold (BTG) und Bitcoin Diamond (BCD). Und wer noch weiter nach unten schaut, findet Coins wie Lightning Bitcoin (LBTC), Bitcoin Private (BTCP), Bitcoin Atom (BCA) oder Bitcoin God (GOD).

Was sind das für Coins? Welchen Ursprung haben sie und seit wann gibt es sie? Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit.

2008 bis 2016: Bitcoin = Bitcoin

Bitcoin wurde 2009 ins Leben gerufen. Das Konzept basiert auf dem legendären Satoshi Nakamoto Whitepaper aus dem Jahr 2008. Bitcoin gilt als erste Blockchain-Anwendung der Welt. Die Bitcoin Blockchain ist ein digitales, dezentrales, unzerstörbares und transparentes Kassenbuch. Die Einträge in diesem Kassenbuch können nachträglich von niemandem geändert werden.

Der Bitcoin ist die zugrundeliegende Währung mit einer maximal möglichen Zirkulation von 21 Millionen Coins. Die Erzeugung von Bitcoin erfolgt bei dezentralen Minern, die mit entsprechender Hardware und Software komplexe Rechenaufgaben lösen müssen. Bei erfolgreicher Aufgabenlösung werden die Miner mit einer bestimmten Anzahl Bitcoin pro Block belohnt. Diese Anzahl der ausgezahlten Bitcoin pro abgeschlossenen Block wird alle 4 Jahre halbiert. Und alles funktioniert nur, weil dahinter eine der ausgeklügelsten Kryptographien steckt.

Bitcoin Blockchain

Die Parallelen zum Schürfen von Gold sind offensichtlich. Bitcoin wird daher häufig als digitales Gold bezeichnet.

Während die meisten anfangs Bitcoin nicht ernst nahmen, haben andere wenige weiter daran gearbeitet, Bitcoin und das Blockchain-Ökosystem weiterzuentwickeln. Plötzlich tauchten weitere Blockchain-Projekte und neue Coins auf.

Die Bitcoin Hard Fork

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Hard Fork, Soft Fork und Source Code Fork. Doch was ist das überhaupt?

Es gibt regelmäßig Software Updates für eine Blockchain. Wenn dieses Software Upgrade nicht rückwärts kompatibel ist, gibt es für die Miner nur zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet mit dem neuen Upgrade weiter oder man bleibt bei dem alten Softwarestand. In den meisten Fällen signalisieren alle Miner, mit dem neuen Upgrade arbeiten zu wollen. Es gibt also einen Konsens und die Blockchain geht von nun an einen neuen Weg, während die alte Blockchain „stirbt“, da kein Miner diese unterstützt.

Wenn sich jedoch eine ausreichende Anzahl an Minern dem Software Upgrade verweigert, kann es passieren, dass es ab dann zwei Versionen der Blockchain gibt, die anschließend koexistieren. Eine mit dem Software Upgrade und eine mit der alten Software, die beide von ausreichend vielen Minern unterstützt werden. Dann spricht man von einer umstrittenen Hard Fork (Contentious Hard Fork), einer Gabelung der Blockchain, die nicht mehr aufzuhalten ist und zwei unabhängige Blockchains hervorbringt (Chain Split).

Eine Hard Fork entsteht also bei einem nicht rückwärts kompatiblen Software Upgrade für eine Blockchain. Bei einem solchen Upgrade finden wesentliche Anpassungen im Protokoll statt. Die Blockchain schlägt ab diesem Zeitpunkt einen neuen Weg mit neuen wichtigen Funktionalitäten ein. Alle Public und Private Keys bis zu diesem Zeitpunkt bleiben dieselben, was dazu führt, dass alle Coins der alten Blockchain auf die neue Blockchain dupliziert werden. Wer vor der Hard Fork im Besitz der Private Keys war, hat danach auch Zugriff auf die Private Keys der neuen Blockchain und somit Zugriff auf die neuen Coins.

Da fast alle Codes bekanntlich Open Source sind, können Hard Forks nicht unterbunden werden.

Bis 2016 fanden mehrere Bitcoin Hard Forks statt. Die meisten sind nie aufgefallen, da es um normale Updates ging, für welche Konsens herrschte.

Wenn das Software Upgrade rückwärts kompatibel ist, spricht man von einer Soft Fork.

Im Jahr 2011 entstand Litecoin (LTC) durch eine sogenannte Bitcoin Source Code Fork. Bei solch einer Fork wird der Source Code kopiert und anschließend modifiziert. Im Vergleich zu Bitcoin gibt es bei Litecoin einen höheren Supply und einen anderen Hashing-Algorithmus.

Außer Litecoin, welcher von Charlie Lee gegründet wurde, bekam Bitcoin zunächst keinen ernstzunehmenden Konkurrenten. Eher im Gegenteil. Bitcoin hat sich positiv weiterentwickelt und wurde immer stabiler. Litecoin hat sich ebenfalls positiv weiterentwickelt und gilt inzwischen als Testlabor für viele Upgrades, die auch für Bitcoin interessant sind. Beide Coins koexistieren nun schon seit vielen Jahren.

Im Laufe der Jahre sind innerhalb der Bitcoin Developer leider immer mehr Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft von Bitcoin aufgetreten. Je nach Meinung darüber, was für Bitcoin das Beste ist, wurde das Satoshi Nakamoto Whitepaper entsprechend unterschiedlich interpretiert. Diese Meinungsverschiedenheiten sollten später noch ihren Höhepunkt in einer besonderen Bitcoin Hard Fork erreichen.

2017: Bullrun und unterschiedliche Bitcoin Hard Forks

2017 war das Jahr für Bitcoin und Crypto schlechthin. All Time Highs (ATH) für fast alle Coins in Sachen Preis und Marktkapitalisierung. 2017 war aber auch das Jahr, in dem sich der schon seit einigen Jahren schwelende Streit unter den Bitcoin Developern zuspitzte – mit fatalen Folgen.

Während die eine Seite darauf pochte, die Blocksize zu erhöhen, weil ansonsten die Skalierbarkeit nur ein Traum bleiben könnte, bestand die andere Seite darauf, die Blocksize nicht wesentlich zu erhöhen und stattdessen SegWit (Segregated Witness) als Kompromisslösung zu implementieren.

Doch warum waren die Fronten so verhärtet? Die Befürchtung war und ist, dass bei einer Blocksize-Vergrößerung die Miner zu sehr zentralisiert werden könnten. Die erzeugten Blockchain-Daten könnten dann mehr und mehr nur noch von großen Datenzentren gespeichert werden. Eine dezentrale Miner-Struktur ist jedoch unentbehrlich für die Sicherheit von Bitcoin. Die andere Seite sah jedoch die Gefahr, dass ohne schnelle Skalierbarkeit das Bitcoin-Projekt niemals massentauglich werden und letztlich scheitern könnte. Ohne Skalierbarkeit treten höhere Gebühren und längere Wartezeiten bei Transaktionen auf. Daher ist dies ein berechtigter Einwand.

Bitcoin Cash (BCH)

Letztlich konnten sich die Bitcoin Developer untereinander nicht einigen und es kam zu einer umstrittenen Bitcoin Hard Fork im August 2017. Auf beiden Seiten gab es genügend unterstützende Miner. Die Protagonisten im Blocksize-Camp waren Roger Ver und Jihan Wu. Roger Ver, vielen auch bekannt als Bitcoin Jesus, hatte über Jahre sehr viel für das weltweite Bitcoin Marketing getan. Entsprechend hoch ist sein Bekanntheitsgrad und Ruf in der Bitcoin-Szene. Jihan Wu ist ein erfolgreicher Bitcoin-Mining-Unternehmer aus China.

Nun gab es also zwei Bitcoin in den Top Ten: Bitcoin (BTC), oft auch als Bitcoin Core bezeichnet (der Name kommt von Core Developer) und Bitcoin Cash (BCH).

In der Folge konnte Bitcoin Cash einen enormen Preisanstieg verbuchen. Binnen Monaten wurde vom Preis zum Zeitpunkt der Hard Fork bei ca. 350 US-Dollar ein ATH von 4.300 US-Dollar erreicht. Zwischenzeitlich gratulierte sogar Vitalik Buterin (Co-Founder von Ethereum) öffentlich auf Twitter.

Für alle BTC Holder regnete es BCH Coins: Die meisten Exchanges schütteten für BTC Deposits entsprechende BCH Coins aus und Wallets wie Trezor stellten ein Splitting Tool zur Verfügung. Alle Befürworter der Blocksize-Vergrößerung sahen sich bestätigt und hofften darauf, dass BCH nun BTC als Nummer Eins ablösen würde. Daraus wurde bis heute bekanntlich nichts.

Diese Preisentwicklung von BCH war wohl auch nur deshalb möglich, weil 2017 ein starkes Bullrun-Jahr war. Und dies rief weitere Hard Fork Nachahmer auf den Plan. Wenn BCH ein 10x macht, dann kann das ein anderer Hard Fork Coin vielleicht auch? So war wahrscheinlich häufig die Denkweise. Aber natürlich brauchte man auch einen Grund um dies öffentlich zu verkaufen, einen Unique Selling Point (USP) für den neuen Coin sozusagen.

Bitcoin Gold (BTG) und Bitcoin Diamond (BCD)

Es dauerte nur bis Oktober 2017 und eine weitere umstrittene Bitcoin Hard Fork wurde Realität. Diesmal gab es für alle BTC Holder genauso viele Coins von Bitcoin Gold (BTG). Der offizielle Grund der Hard Fork: Änderung des Proof of Work Algorithmus, um das Mining mehr zu demokratisieren, so dass wieder mit normalen Rechnern Mining stattfinden kann. Wieder wurde die Ausschüttung von den meisten Exchanges und Wallets unterstützt.

Kurze Zeit später gab es die nächste umstrittene Bitcoin Hard Fork. Diesmal Bitcoin Diamond (BCD). Das Team dahinter hat sich öffentlich nie geoutet. Spätestens da bekam man den Eindruck, dass da etwas faul sein könnte und höchste Vorsicht war geboten, diesen Coin zu splitten oder zu handeln. Auch die meisten Exchanges und Wallet Provider hielten sich diesmal zurück. Dennoch gab es wieder Free Coins, diesmal sogar zehnmal mehr als sonst, denn BCD hat im Protokoll den Supply auf 210 Millionen Coins erhöht statt 21 Millionen bei BTC.

Bitcoin God (GOD)

Fast zeitgleich machte der chinesische Mining-Unternehmer Chandler Guo der Crypto-Gemeinde ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk mit der Bitcoin Hard Fork zu Bitcoin God (GOD).

Das war wohl auch eine der dubiosesten Bitcoin Hard Forks. Nahezu kein Exchange und Wallet Provider außerhalb Chinas unterstützte die Ausschüttung der neuen GOD Coins.

Im Dezember 2017 fanden weitere Bitcoin Hard Forks statt, die Coins wie Super Bitcoin (SBTC) oder Ligtning Bitcoin (LBTC) hervorbrachten, um nur zwei davon zu nennen.

Eine Auflistung von Bitcoin Hard Forks findet man hier.

2018: Bear Market und eine der kontroversesten Bitcoin Hard Forks

Zwar begannen bereits Anfang 2018 die Kurse bei fast allen Cryptocurrencies extrem einzubrechen. Aber die Goldgräberstimmung bei Bitcoin Hard Forks war noch nicht zu Ende.

Es folgten Bitcoin Hard Forks mit Coins wie Bitcoin Private (BTCP), Bitcoin Atom (BCA) oder ClassicBitcoin (CBTC), um wieder nur einige zu nennen. Nicht wenige behaupteten, dass die meisten Bitcoin Hard Forks, die von 2017 bis 2018 erfolgten reine Scams sind. Nun ja, aktuelle Coin-Preise und Exchange Listings sprechen eine klare Sprache. Dennoch gab es weitere Free Coins, die man als BTC Holder umsonst bekommen und an einigen Exchanges handeln konnte.

Als im Laufe des Jahres 2018 sämtliche Kurse im Crypto-Markt endgültig einbrachen, crashten auch die Kurse von allen Bitcoin Hard Fork Coins ins Bodenlose. Das Delisting auf vielen Exchanges war die Folge.

Die Zeit der umstrittenen Bitcoin Hard Forks schien vorbei. Bis November 2018!

Bitcoin Satoshi Vision (BSV)

Das Team von Bitcoin Cash (BCH) wurde inzwischen von niemand geringerem als Craig Steven Wright (CSW) unterstützt. CSW gibt sich seit 2016 öffentlich als der Erfinder von Bitcoin, Satoshi Nakamoto höchstpersönlich aus. Allerdings hielt die Harmonie im BCH-Team offensichtlich nicht lange und es kam im November 2018 zu einem großen Streit innerhalb der Developer. Auf der einen Seite waren wieder Roger Ver und Jihan Wu. Auf der anderen Seite Craig Steven Wright.

Bitcoin Hard Fork

Das Resultat war eine umstrittene Hard Fork von der BCH Blockchain und ein weiterer neuer Bitcoin namens Bitcoin Satoshi Vision (BSV) war geboren. Im Anschluss folgte ein erbitterter Hash War zwischen BCH und BSV. Aufgrund fehlender Replay Protection war das Splitting für BCH Holder schwierig. Die meisten Exchanges stellten sich auf die Seite von BCH und unterstützten entweder die Ausschüttung nicht oder falls doch, folgte kurz darauf das Delisting von BSV.

BSV ist sicherlich eine der kontroversesten Bitcoin Hard Forks. Ohne Craig Steven Wright und dessen Versuch die Welt davon zu überzeugen, dass er Satoshi Nakamoto ist, würde der Coin wohl nahezu keine Unterstützer finden. Und bislang konnte CSW zu keinem Zeitpunkt zweifelsfrei beweisen, dass er Satoshi Nakamoto ist.

Fazit: unterschiedliche Bitcoin gehören zum Krypto-Markt

Unterschiedliche Bitcoin, die allesamt aus Hard Forks entstanden sind, haben eines gemeinsam: alle Blöcke der Blockchain ab Zeitpunkt der Hard Fork bis hin zum Genesis Block. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Name Bitcoin, was leider zu viel Verwirrung geführt hat. Die einzigen beiden Bitcoin, die neben BTC eine ernstzunehmende Fan-Gemeinde haben, sind BCH und BSV. Alle anderen Bitcoin Hard Fork Coins mit dem Namen Bitcoin sind keine ernsthaften Konkurrenten.

Die unterschiedlichen Argumente für und gegen BTC, BCH bzw. BSV sind nachvollziehbar. Die Zeit wird zeigen, wer Recht behalten wird. Vom Zeitablauf jedoch, ist BTC der erste Bitcoin, auch wenn die Software Entwicklungen vom inzwischen über zehn Jahre alten Satoshi Nakamoto Whitepaper abweichen sollten. Hier gibt es jedoch viel Interpretationsspielraum. Alle anderen Bitcoin entstanden danach. BTC war und ist die Nummer Eins, in Sachen Preis, Marktkapitalisierung und Netzwerkeffekt.

Man sollte den Netzwerkeffekt niemals unterschätzen. Häufig haben in der Vergangenheit nicht die besten Technologien gewonnen, sondern diejenigen mit dem größten Netzwerkeffekt. Wenn in Zukunft das Lightning Network die Skalierungsproblematik von BTC wirklich lösen kann, wird es spannend sein, zu beobachten, wie sich BCH und BSV entwickeln.

Wer jetzt neu einsteigt und Bitcoin kaufen möchte, sollte auf jeden Fall BTC in Betracht ziehen. BCH und BSV können eventuell als Absicherung dienen, falls man sich unsicher ist. Schließlich weiß niemand wie die Entwicklung weiter geht. Wird die kontinuierliche Vergrößerung der Blocksize gewinnen oder ist der Netzwerkeffekt von BTC so groß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Lighnting Network die notwendige Skalierbarkeit bietet und alle Kritiker verstummen lässt.



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