[Wissen] Wird Bitcoin die größte Kryptowährungen bleiben können?

Geschätzte Lesezeit: 8Min.

Bitcoin hat sich seit der Entstehung zu der größten Kryptowährung weltweit entwickelt. Erfunden wurde sie von Satoshi Nakamoto, dem anonymen Genie, dass bis heute unerkannt bleiben möchte. Aus dem obskuren „Internet-Geld“, was in der Öffentlichkeit als Kuriosität aus der Nerd-Szene gewertet wurde, wurde ein Instrument, welches die alte Finanzindustrie zum Zittern brachte.

Heute beschäftigen sich immer mehr Hedgefonds, Banken und Regulatoren mit Bitcoin und die Frage die sich stellt ist: Wird Bitcoin diese Rolle behaupten können? Oder könnte eines Tages eine neue Kryptowährung Bitcoin den Rang ablaufen? Diesen Fragen gehe ich in diesem Artikel auf den Grund.

Bitcoins Vorgänger in den 90er Jahren

cypherpunk

Bevor wir uns dem eigentlichen Thema widmen, möchte ich dir die Vorläufer von Bitcoin vorstellen. Denn Bitcoin war nicht der erste Vorstoß der Cypherpunk-Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, technische Lösungen für mehr Datenschutz und Privatsphäre zu kreieren.

B-Cash (1998)

1998 schlug der Entwickler Wei Dai ein „anonymes, verteiltes elektronisches Geldsystem“ namens B-Money vor. Letztendlich war B-Money nie erfolgreich und tatsächlich unterschied es sich in vielerlei Hinsicht von Bitcoin. Nichtsdestotrotz war es auch ein Versuch, ein anonymes, privates und sicheres elektronisches Geldsystem zu schaffen.

Im B-Money-System würden digitale Pseudonyme verwendet, um Geld über ein dezentralisiertes Netzwerk zu transferieren. Das System beinhaltete sogar ein Mittel zur Vertragsdurchsetzung im Netzwerk, ohne den Einsatz einer dritten Partei. Satoshi erwähnte ein Jahrzehnt später in seinem Bitcoin-Whitepaper das Pionier-Projekt, so das der Einfluss von B-Money nicht zu leugnen ist.

Bitgold (1999)

Bitgold war ein weiteres elektronisches Währungssystem, das aus der gleichen Zeit stammt wie B-Cash. Auf Vorschlag von Nick Szabo kam BitGold mit einem eigenen Proof-of-Work-System auf den Markt, das in gewisser Weise mit dem heutigen Mining von Bitcoin übereinstimmt und so ähnlich wie eine Blockchain arbeitete.

Der vielleicht revolutionärste Aspekt des BitGold-Konzepts hatte jedoch mit der Abkehr vom zentralisierten Status zu tun. BitGold zielte darauf ab, die Abhängigkeit von Zentralbanken und zentralisierten Behörden zu vermeiden. Szabos Ziel war es, dass BitGold die Eigenschaften von echtem Gold widerspiegelt und es den Benutzern dadurch ermöglicht, den Zwischenhändler vollständig auszuschalten. BitGold war, wie B-Cash, letztlich nicht erfolgreich.

Hashcash (1995)

Das Projekt Hashcash wurde Mitte der 1990er Jahre entwickelt und war eine der erfolgreichsten digitalen Währungen vor der Einführung des Bitcoin. Hashcash wurde für eine Reihe von Zwecken entwickelt, darunter die Minimierung von E-Mail-Spam und das Verhindern von DDoS-Angriffen.

Die digitale Währung verwendete einen Proof-of-Work-Algorithmus, um die Generierung und Verteilung neuer Coins zu unterstützen, ähnlich wie viele gegenwärtige Kryptowährungen. Zentraler Faktor für das Scheitern von Hashcash war neben der geringen Aufmerksamkeit die hohe Rechenintensität, um das Netzwerk zu überprüfen, da die Hardware damals noch nicht sehr leistungsfähig war.

Bitcoin: Die Geschichte von 2008 bis 2020

2008 – 2014

Bitcoin wurde 2008 von dem mysteriösen Satoshi Nakamoto erfunden und Anfang 2009 als Open-Source-Software veröffentlicht. Die erste Transaktion fand im Januar 2009 zwischen Nakamoto und einem Early-Adopter von Bitcoin statt, nämlich Hal Finney. Die erste reale Transaktion fand 2010 statt, als ein Bitcoin-Miner zwei Pizzen von einem Papa John’s in Florida für 10.000 Bitcoins kaufte:

Die Währung basiert auf einer Blockchain, die ein öffentliches Buch über alle Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk enthält. Diejenigen, die teilnehmen, können mit Hilfe von Computerleistung nach Bitcoin suchen. Dazu müssen komplizierte mathematische Rätsel gelöst werden, um einen neuen Block zu der Blockchain hinzuzufügen. Die sogenannten Miner erhalten dafür eine Belohnung in Form von 6.25 BTC/Block.

Im Laufe der Zeit wurde die Kryptowährung immer bekannter, sowohl im Guten als auch im Schlechten. In den Jahren 2012 und 2013 öffneten sich mehr Einzelhändler für das Bezahlen mit Bitcoin. Dazu gehörten aber auch illegale Darknet-Shops. Die Bundesbehörden schlossen die Website “SilkRoad” im Oktober 2013, da dort Bitcoin gegen illegale Ware eingetauscht werden konnte.

Die beliebte Bitcoin-Börse Mt. Gox ging 2014 ebenfalls unter. Ursprünglich als Website für den Tausch von Spielkarten gestartet, entwickelte sie sich zu der damals größten Bitcoin-Börse. Im Mai 2013 handelte Mt. Gox rund 150.000 Bitcoin pro Tag. Als die Börse 2014 geschlossen wurde, wurde sie jedoch des Betrugs beschuldigt. Die Börse verlor rund 850.000 Bitcoin.

Der Zeitraum von 2008 – 2014 war rückblickend gesehen sehr wichtig für das Bitcoin-Ökosystem. In dieser Zeit entwickelte sich die Kryptowährung allmählich von einer obskuren Internet-Währung zu einem immer größeren und ernstzunehmenden Projekt. Bereits 2013 wurde einst ein Bitcoin-Preis von 1.000 US-Dollar erzielt Doch erst die nächsten sechs Jahre sollten Bitcoin endgültig zum Durchbruch verhelfen.

2015 – 2020

Ein wechselhafter Bitcoin-Chart

Das Jahr 2015 war geprägt von einer Stabilisierung des Bitcoin-Preis nach dem Mt. Gox-Vorfall, bevor der Kurs Anfang November erneut massiv anstieg. Der Preis stieg von etwa 270 US-Dollar am 23. Oktober auf einen Schlusskurs von 460 US-Dollar am 4. November 2015. Nach einem Abverkauf wurde die Kryptowährung Ende November 2015 bei ca. 360 US-Dollar gehandelt.

Währenddessen hielt sich das Interesse der Öffentlichkeit für diese neue dezentrale Währung noch immer in Grenzen. Sofern es Berichte in den Medien gab, konzentrierten sich diese immer auf die Negativ-Aspekte, beispielsweise die Verwendung von Bitcoin für illegale Zwecke. Das Bargeld natürlich immer noch das beliebteste Geldmittel der Kriminellen ist, wurde dabei ausgeblendet:

Der große Durchbruch für Bitcoin sollte erst später kommen und zwar Ende 2016/Anfang 2017. Bitcoin stieg stetig an und erreichte im Januar 2017 erneut die 1.000 US-Dollar-Marke. Doch das sollte nur ein Vorgeschmack für das Bevorstehende sein. Im Herbst 2017 begann der Bitcoin-Preis erneut zu steigen, erreichte im Oktober 2017 die 5.000 US-Dollar, gefolgt von 10.000 US-Dollar im November und 20.000 US-Dollar Ende Dezember.

Kritiker nannten dies eine Blase, wobei viele Vergleiche mit der holländischen Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts anstellten. Tatsächlich fiel der Preis nur wenige Wochen später rapide und fiel bis April 2018 auf unter 7.000 $ und bis November 2018 auf unter 3.500 $.7

Im Jahr 2019 erlebte Bitcoin einen erneuten Anstieg von Preis und Volumen und stieg im Juli auf bis zu 14.000 US-Dollar. Doch die Geschichte sollte sich wiederholen. Bitcoin verlor wieder enorm und wurde nach dem Crash im März 2020 bei unter 4.000 US-Dollar gehandelt. Die schnelle Erholung brachte den Kurs jedoch wieder schnell auf die 10.000 US-Dollar Marke.

Wie du siehst hat sich Bitcoin also immer wieder zurückgekämpft und ist gegenwärtig mit Recht die größte Kryptowährung, gemessen an Marktkapitalisierung, Größe des Netzwerks und Handelsvolumen. Dieser große Erfolg zog einige Nachahmer an. Diese Nachahmer-Projekte sind Gegenstand des nächsten Artikelabschnitts.

Altcoins: Bitcoins Erfolg zieht Nachahmer an

Im Laufe der Jahre gab es immer mehr Aufmerksamkeit für Kryptowährungen im Allgemeinen und für den großen Erfolg von Bitcoin. Das führte dazu, dass immer mehr Kryptowährungen erstellt wurden. Dies sind Kryptowährungen, die oft als “Altcoins” bezeichnet werden. “Alt” steht dabei als Kürzel für “Alternative”. Der Name sagt also schon aus, dass es sich um eine Alternative zu Bitcoin handeln sollte. Viele dieser Coins basierten auf der gleichen Technologie wie Bitcoin.

altcoins

Der erste Altcoin, Namecoin, basierte auch auf dem Bitcoin-Code und verwendete den gleichen Proof-of-Work-Algorithmus. Wie Bitcoin ist auch Namecoin auf 21 Millionen Coins beschränkt. Im April 2011 eingeführt, unterschied sich Namecoin vor allem dadurch von Bitcoin durch mehr Privatsphäre. Namecoin ermöglichte es Benutzern, sich mit ihren eigenen .bit-Domains zu registrieren und zu minen, was die Anonymität erhöhen sollte.

Als nächstes folgte Litecoin. Im Oktober 2011 eingeführt, wurde Litecoin als das Äquivalent von zum Gold von Bitcoin“ gebrandmarkt. Obwohl Litecoin in Code und Funktionalität Bitcoin grundsätzlich ähnlich ist, unterscheidet sich Litecoin von Bitcoin in mehreren wesentlichen Punkten. Die Block Time ist geringer und die Gesamtversorgung liegt bei 84 Millionen Litecoin.

Die Altcoin-Explosion

Doch die richtige Altcoin-Explosion sollte erst noch folgen und zu tausenden von verschiedenen Kryptowährungen und Tokens führen. Eine wesentliche Rolle dabei spielte die Gründung von Ethereum als “Blockchain 2.0”.

Bis zu der Entwicklung von Ethereum war es nicht möglich, sogenannte Smart Contracts zu nutzen. Dies sind sich automatisch ausführende Verträge, die nach bestimmten “Wenn; dann”-Bedingungen verfasst wurden. Einmal aufgesetzt ist ein Smart Contract nicht mehr zu verändern. Dieses Feature war der Grundstein für den Erfolg von Ethereum.

Im Wesentlichen wurden dadurch zwei Dinge möglich. Zum einen das Erstellen von dezentralen Applikationen auf der Ethereum-Blockchain, zum anderen aber auch das Schaffen von eigenen ERC20-Tokens und dem Durchführen von Initial Coin Offerings.

Dies führte zu einer Vielzahl an (Utility-)Tokens, die in den Folgejahren auch schon wieder verschwinden sollten. Es etablierten sich mehrere Blockchain-Plattformen und steigerten das allgemeine Interesse für Krypto-Technologie.

Auch gab es durch den allgemeinen Trend in der Folge auch immer mehr reine Kryptowährungen, wie beispielsweise diverse Forks von Bitcoin, die der beliebtesten Kryptowährung den Rang ablaufen sollten. Doch ist das überhaupt möglich? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin eines Tages verdrängt wird?

Kann Bitcoin als beliebteste Kryptowährung abgelöst werden?

Ist Bitcoin Geld? Eine Analyse

Die Bitcoin-Technologie wird heutzutage von vielen Kritikern als überholt eingestuft. Während das bis zu einem gewissen Grad sogar richtig ist und es noch große Probleme mit der Skalierbarkeit gibt, hinkt die These, dass das der Untergang von Bitcoin sein könnte.

Denn es wird laufend an der Weiterentwicklung von Bitcoin gearbeitet, in Form des Lightning Networks für Micropayments und auch was die Erweiterungen der Funktionen angeht, wie beispielsweise Rootstock (RSK) als Sidechain zur Bitcoin-Blockchain.

Währenddessen funktioniert das Bitcoin-Netzwerk seit nun über 10 Jahren ohne Ausfälle. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung hat sich innerhalb der letzten Jahre einiges geändert. So haben Regulatoren verschiedener Länder seit 2017 damit begonnen, Bitcoin aus der unregulierten Schmuddelecke zu holen und zu mehr Seriosität zu verhelfen. So können deutsche Banken sich seit dem 1. Januar 2020 für eine Bitcoin-Verwahrer-Lizenz bewerben. Banken die diese Lizenz erhalten, können ihren künftig den Handel von Bitcoin über das Online-Banking ermöglichen.

Auch internationale Großbanken sind dem Thema Bitcoin mittlerweile sehr viel aufgeschlossener. Gerade gestern verkündete JP Morgan, dass sie mit Coinbase und Gemini die ersten Krypto-Kunden bei ihnen begrüßen. Coinbase ist eine der führenden Bitcoin-Börsen und Gemini ist die Firma der Winklevoss-Zwillinge.

Bitcoin vs. Altcoins: Alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit

Keine andere Kryptowährung hat diese Entwicklung hinlegen können und es scheint unwahrscheinlich, dass das eines Tages passieren wird. Zunächst ist es für eine Währung essentiell, dass sie das Vertrauen möglichst vieler Menschen genießt. Aktuell ist die Kryptowährung mit dem größten in sie gesetzten Vertrauen ganz klar Bitcoin.

Damit sich das ändert, müsste es nicht nur eine technisch bessere Kryptowährung auf dem Markt geben, sondern sie müsste auch die kritische Masse an Nutzern erreichen. Dazu kommt auch die Tatsache, dass du erst Bitcoin erwerben müsstest, um eine andere Kryptowährung zu kaufen. Denn die meisten Altcoins werden hauptsächlich über die Bitcoin-Handelspaare gehandelt.

Am Ende entscheidet immer der Markt. Gegenstimmen ziehen gerne den Vergleich zu Internetunternehmen und Software-Lösungen in den 90er Jahren. Damals hat man sich auch nicht vorstellen können, das gewisse Programme über die Jahre verschwinden werden. Doch bei Bitcoin geht es um so viel mehr, als nur um eine einfache Anwendung, weshalb auch dieser Vergleich meiner Meinung nach hinkt.

Fazit: Bitcoin bleibt wahrscheinlich die beliebteste Kryptowährung

Ich bin der festen Überzeugung, dass Bitcoin sich langfristig als beliebteste Kryptowährung behaupten kann. Keine andere Kryptowährung hat die enorme Aufmerksamkeit von großen Investoren, Banken und Regulatoren. Während zunächst probiert wurde, Bitcoin zu bekämpfen, stehen die Türen für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung nun alle offen. Natürlich kann es sein, dass sich neben Bitcoin auch andere, technologisch weiterentwickelte Kryptowährungen behaupten können – doch sie werden höchstwahrscheinlich niemals Bitcoin überflügeln!



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